Geschichte

Castel del Piano “Facile Primum”, wie es einst Papst Pius II. formulierte, der ihm im XV. Jh. einen Besuch abstattete und die “Schönheit des Ortes, die Behaglichkeit der lieblichen Lage, die glasklaren Quellen, die grünenden Wiesen und die bebauten Felder…” schätzen lernte. Und an diesem Ort, dessen Ursprünge sich in der Frühzeit der Zivilisation verlieren, wurde im Jahre 1280 in einem Gebiet, das bereits den vorchristlichen Kulten geweiht war, das Franziskanerkloster San Processo und Martiniano gegründet (letzterer Kult ist nunmehr verschwunden, in Vergessenheit geraten und von der Zeit in Mitleidenschaft gezogen). Als das Mönchswesen den Mittelpunkt eines bescheidenen Alltages bildete, der in seiner Einfachheit rein und dennoch reich an Spiritualität war, galt das Kloster San Processo 5 Jahrhunderte lang als Bezugspunkt für die gesamte Bevölkerung des Monte Amiata. Diese Bedeutung wird durch die Anwesenheit - innerhalb seiner Mauern - von San Francesco di Assisi, San Bernardino und Santa Caterina da Siena bezeugt, also von genau denjenigen, die die Zivilisation in eine rüde und abgeschiedenen Welt brachten. 1781 wurde das Minoritenkloster durch “motu proprio” des Großherzogs Peter Leopold von Lothringen aufgehoben und seine beachtlichen Erträge wurden für den Bau öffentlicher Werke bestimmt, wie den Bau des Krankenhauses San Giovanni della Misericordia in Castel del Piano.

Seitdem wurden seine Gemäuer von den Einwohnern geplündert und seine Einrichtungsgegenstände wanderten in andere Kultstätten in der nahen Ortschaft, die dadurch an Schönheit hinzugewannen.

Von der antiken Heiligkeit verbleiben heute die Einfriedungsmauer, entlang dem imaginären Weg, der langsam zu den Grenzen der Ortschaft hinabführt; der alte Kirchturm, dessen nunmehr fernes Glockengeläute heute noch den langsamen Rhythmus eines Bauernlebens zu schlagen scheint und dessen Würde das sanfte Hellblau eines zeitlosen Himmels überragt.

Auf diesem Spaziergang verliert sich das Auge zwischen der Vollkommenheit der Steine, die den nun virtuellen Raum dessen abgrenzen, was einst der antike Tempel war, zwischen einer gotischen Nische des Chors und dem fließenden Wasser im Brunnen des Kreuzgangs, dessen lange Bogenreihe - heute Teil der Wohnungen - den Gast dazu einladen, seine Horizonte zu erweitern und sich auf einen alterslosen Weg zu begeben.


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